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Forscher: Handynutzer fahren wie Betrunkene

29. Juni 2006 | Druckversion

Wer am Steuer telefoniert, fährt ähnlich unsicher wie unter Alkoholeinfluss. Das haben amerikanische Forscher bei simulierten Fahrten mit 40 Probanden ermittelt. Dabei spielte es keine Rolle, ob sich ihre Versuchsteilnehmer das Mobiltelefon ans Ohr hielten oder eine Freisprecheinrichtung nutzten.

Handy-am-Steuer
Foto: Jim Moulin, University of Utah

Der eigentliche ablenkende Faktor sei die telefonische Unterhaltung, und nicht etwa das Hantieren mit dem Telefon, erklärt Frank Drews von der University of Utah in Salt Lake City. “Wenn der Gesetzgeber wirklich etwas gegen die Ablenkung beim Fahren tun will, sollte er erwägen, die Nutzung des Mobiltelefons während der Fahrt gänzlich zu verbieten.”

Strayer und seine Kollegen ließen 25 Männer und 15 Frauen je vier Fahrten in einem Fahrsimulator absolvieren - unter Kontrollbedingungen, während des Telefonierens mit und ohne Freisprecheinrichtung und mit einem Blutalkoholspiegel von 0,8 Promille. Aufgabe der höchstens 34 Jahre alten Probanden war es, einem anderen PKW zu folgen, der immer wieder bremste und beschleunigte. In einer früheren Studie hatten die Forscher mit solchen Versuchen ermittelt, dass junge Handynutzer am Steuer wie 70-jährige Fahrer reagieren.

Den neuen Daten zufolge, führt das Telefonieren während der Fahrt zu 9 Prozent längeren Bremszeiten, 24 Prozent größeren Schwankungen im Abstand zum Vordermann, einer 19 Prozent langsameren Beschleunigung und einem erhöhten Unfallrisiko: Bei drei Gelegenheiten fuhren Probanden auf den Vordermann auf - in allen Fällen, während sie telefonierten. Unter Alkoholeinfluss fielen die Probanden ebenfalls durch ein spätes, dafür aber umso stärkeres Bremsen auf sowie durch einen geringen Abstand zum Vordermann.

Dass ihre Versuchsteilnehmer keine Unfälle unter Alkoholeinfluss fabrizierten, erklären die Forscher damit, dass die simulierten Fahrten am frühen Vormittag stattfanden, als die Probanden frisch und ausgeruht waren. Die meisten alkoholbedingten Unfälle im Straßenverkehr ereigneten sich dagegen in den Abend- und Nachtstunden, wenn die Fahrer müde und erschöpft seien. “Wir sagen nicht, dass die Leute im betrunkenen Zustand fahren sollten”, betont Strayer, “sie sollten beim Fahren aber auch nicht telefonieren.”

Forschung: David L. Strayer und Frank A. Drews, Department of Psychology, und Dennis Crouch, Department of Pharmacology and Toxicology, University of Utah, Salt Lake City; Veröffentlichung in “Human Factors”, 29. Juni 2006

WWW:
Applied Cognition Lab, University of Utah
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