Posted in: Astronomie 27. Juni 2006 21:49 Weiter lesen →

Zweite Staubscheibe bei nahem Stern entdeckt

Nicht eine, sondern mindestens zwei Staubscheiben umgeben einen Stern in der unmittelbaren Nachbarschaft der Sonne. Das belegen neue Aufnahmen des Weltraumteleskops Hubble, die eine internationale Forschergruppe im „Journal of Astronomy“ vorstellt. Verantwortlich für die zweite Staubscheibe könnte ein großer Planet sein.

Beta Pictoris
Bild: NASA, ESA, D. Golimowski (Johns Hopkins University)

„Dieses Resultat deutet darauf hin, dass sich Planeten in zwei unterschiedlichen Ebenen bilden können“, erklärt David Golimowski von der Johns Hopkins University in Baltimore. Auch im Sonnensystem seien die Planetenbahnen typischerweise um einige Grad gegen die Erdbahn geneigt. „Vielleicht ist es für Sternsysteme im Prozess der Entstehung die Norm, dass der Stern mehr als eine Staubscheibe entwickelt.“

Golimowski und seine Kollegen studierten mit Beta Pictoris einen sehr jungen Stern, der gut 63 Lichtjahre von der Sonne entfernt im Sternbild des Malers (Pictor) liegt. Bereits vor 22 Jahren war entdeckt worden, dass der Stern von einer großen Scheibe aus Staub umgeben ist. Mitte der 90er-Jahre angefertigte Aufnahmen ließen dann eine Art „Delle“ in dieser Scheibe erahnen. Bereits damals vermutet worden, dabei könne es sich tatsächlich um eine zweite Scheibe handeln.

Die neuen Aufnahmen bestätigen diese Ansicht. Die zweite Scheibe ist demnach um etwa 4 Grad gegen die erste gekippt und erstreckt sich mindestens 38 Milliarden Kilometer weit ins All – entsprechend dem 250-fachen des Abstands der Erde von der Sonne. Möglicherweise markiert sie die Bahn eines Planeten mit bis zu 20 Jupitermassen, vermuten die Forscher.

Dieser Gigant könne Vorläufer von Planeten aus der ersten Scheibe anziehen, die dann miteinander kollidierten und so große Mengen von Staub erzeugten. „Eigentlich besitzt ein Staubkorn eine relativ kurze Lebensdauer von vielleicht einigen hunderttausend Jahren“, so Golimowski. „Die Tatsache, dass wir diese Scheiben bei einem 10 bis 20 Millionen Jahre alten Stern sehen können, bedeutet daher, dass Staub durch Kollisionen zwischen Planetesimalen nachgeliefert wird.“

Forschung: David A. Golimowski und Andrew W. Zirm, Department of Physics and Astronomy, Johns Hopkins University, Baltimore, Maryland; und andere; Veröffentlichung im „Astronomical Journal“, Vol. 131, pp 3109-30

WWW:
Homepage David Golimowski
Beta Pictoris
Evolution of Our Solar System

Lesen Sie dazu im Scienceticker (alte Version):
Planeten wachsen im Chaos
Staubige Spuren eines Planetensystems

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