Posted in: Medizin 23. Juni 2006 06:00 Weiter lesen →

Lange Inkubationszeiten bei Prionenerkrankung möglich

In Zukunft könnten mehr Menschen an der Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (vCJK) sterben als bislang befürchtet. Darauf deutet eine Untersuchung in Papua-Neuguinea hin, deren Resultate eine internationale Forschergruppe im Fachblatt „The Lancet“ vorstellt. Zwischen dem Kontakt mit dem infektiösen Material und dem Ausbruch der Krankheit können demnach mehr als 50 Jahre vergehen.

Als Ursache der vCJK gelten abnorm gefaltete Prionproteine, die bei Rindern die bovine spongiforme Enzephalopathie (BSE) auslösen und mit dem Fleisch erkrankter Tiere in den menschlichen Körper gelangt sind. Seit 1994 sind in Großbritannien etwa 160 Menschen erkrankt, weitere Fälle traten in vielen weiteren europäischen Ländern, in Nordamerika und auch in Japan auf.

John Collinge vom University College London und seine Kollegen analysierten nun Fälle von Kuru – einer ähnlichen Erkrankung, die in Papua-Neuguinea durch das rituelle Verspeisen verstorbener Verwandter weitergegeben wurde. Zwar war diese Praxis Mitte der 50er-Jahre verboten worden. Im Rahmen ihrer Arbeit vor Ort konnten die Mediziner und ihre zahlreichen Helfer dennoch elf Personen identifizieren, bei denen in den Jahren 1994 bis 2001 Kuru ausgebrochen war.

„Wir können davon ausgehen, dass nach 1960 keinerlei Weitergabe im Rahmen der traditionellen Trauerpraktiken mehr erfolgte“, schreiben Collinge und Kollegen. Die Inkubationszeit in den elf Fällen könne man daher auf mindestens 34 bis 41 Jahre schätzen. Für die acht betroffenen Männer seien sogar 39 bis 56 Jahre wahrscheinlich, da männliche Personen sich nach dem 7. Lebensjahr kaum noch an dem rituellen Verspeisen beteiligten. Und im Falle von vCJK könnten die maximalen Inkubationszeiten sogar noch länger sein, da hier eine Übertragung vom Rind zum Mensch erfolge, über die Artengrenze hinweg.

„Jegliche Vermutungen, dass die Erkrankungszahlen bei vCJK den Gipfel überschritten haben und wir das Schlimmste überstanden haben, müssen nun mit extremer Skepsis betrachtet werden“, kommentieren die Herausgeber der Fachzeitschrift die neuen Resultate.

Forschung: John Collinge und Jerome Whitfield, MRC Prion Unit und Department of Neurodegenerative Disease, Institute of Neurology, University College London, und Papua New Guinea Institute of Medical Research, Goroka; und andere; Veröffentlichung in „The Lancet“, Vol. 367, 24. Juni 2006, pp 2068-74

WWW:
MRC Prion Unit, University College London
Kuru
Prionforschungsgruppe Göttingen
Über die Erkrankung
‚vCJD Timebomb‘ Fears Discounted

Lesen Sie auch im Scienceticker (alte Version):
Bluttest für infektiöse Prionen

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