Posted in: Geologie, Klima, Umwelt 22. Juni 2006 20:05 Weiter lesen →

Klimawandel bedroht Anden-Staaten

Als Folge des Klimawandels werden sich die Staaten der Anden kurzfristig mit enormen Problemen konfrontiert sehen. Diese Warnung sprechen amerikanische Forscher im Magazin „Science“ aus. Große Teile der Bevölkerung dieser Länder lebten in Höhenlagen, in denen die Wasserversorgung und damit auch Landwirtschaft und Energiegewinnung von rasch schmelzenden Gletscher abhingen.

„Die Regierungen müssen daher unverzüglich Pläne entwickeln, um eine umfassende Beeinträchtigung der Bevölkerung und Wirtschaft in der Region zu verhindern“, schreiben die Forscher um Raymond Bradley von der University of Massachusetts.

Mögliche Gegenmaßnahmen lägen im Wassersparen, einer Umstellung der Landwirtschaft auf genügsame Pflanzen und Tiere, der Anlage von Stauseen als Wasserspeichern für die Trockenzeit und einer Reduktion der Abhängigkeit von Wasserkraft.

Laut Bradley und Kollegen lassen Modellrechnungen einen besonders schnellen Temperaturanstieg in den Hochgebirgsregionen Ecuadors, Perus, Boliviens und Chiles erwarten. Die wenigen verfügbaren Beobachtungsdaten bekräftigten diese Vorhersage. Einige Andengletscher hätten bereits jenen Punkt überschritten, ab dem sie ihre Masse nicht mehr zu halten vermöchten. Viele weitere dürften in den nächsten 10 bis 20 Jahren folgen, so die Forscher.

Die möglichen Auswirkungen seien umso gravierender, als ein großer Teil der Andenbevölkerung im Hochgebirge lebe – beispielsweise lägen viele Großstädte wie La Paz und Quito jenseits von 2.500 Metern. Die ganzjährige Wasser- und Energieversorgung und die Landwirtschaft hingen in diesen Regionen der Tropen stark von der Funktion der Gletscher als Wasserspeicher ab. Und künftig werde der Bedarf sogar noch steigen, indem die Bevölkerung und der Pro-Kopf-Verbrauch wüchsen.

Forschung: Raymond S. Bradley und Mathias Vuille, Climate System Research Center, Department of Geosciences, University of Massachusetts, Amherst; Henry F. Diaz, NOAA Earth System Research Laboratory, Boulder, Colorado; Walter Vergara, Latin America Environment Department, World Bank, Washington, D.C.; Veröffentlichung in „Science“, Vol. 312, 23. Juni 2006, pp 1755-6, DOI 10.1026/science.1128087

WWW:
Climate System Research Center, University of Massachusetts
Gletscher und Eisschilde
Intergovernmental Panel on Climate Change

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