Schollenschleim tötet hartnäckige Keime
Mittwoch, 21. Juni 2006, 16:37 • Rubrik Biologie, Medizin.
Hilfe im Kampf gegen antibiotikaresistente Mikroben naht von unerwarteter Seite. Eine norwegische Forscherin hat entdeckt, dass ein Eiweiß im Hautschleim von Schollen gegen Staphylokokken und weitere Bakterien wirksam ist.

Künftiger Antibiotika-Lieferant? Bild: Norges forskningsråd
“Das Protein aus dem Fischschleim hat sich als extrem tödlich für die von mir getesteten Bakterien erwiesen”, sagt Trude Tvete von der Hochschule Nord-Trøndelag in Steinkjer. Zwar hätten bereits frühere Studien gezeigt, dass der Schleim von Schollen (Pleuronectes platessa) antibakterielle Wirkung besitze, nicht jedoch, welche Komponenten dafür verantwortlich seien.
Von den Fischern vor Ort stets mit frischem Fisch versorgt, machte sich die Chemieingenieurin an die Klärung dieser Frage. Im Labor schabte sie die Schleimschicht von der Schuppenhaut der Tiere und testete immer feinere Fraktionen davon auf ihre Wirkung. Nach und nach tastete sie sich so an ein großes Protein heran, das neben Staphylococcus aureus auch Pseudomonas aeruginosa, Bacillus subtilis und Escherichia coli abtötet.
Das bakterizide Schollenprotein sei anders aufgebaut als bisher eingesetzte Antibiotika, so Tvete. Daher könne es bereits bestehende Resistenzen auf Seiten der Bakterien aushebeln und so möglicherweise bei der Bekämpfung besonders problematischer Keime helfen, etwa mehrfach resistenter Staphylokokken. Derweil haben die Forscherin und ihre Kollegen begonnen, auch die Schleimschicht anderer Fische auf ihre antibakterielle Wirkung zu untersuchen.
Forschung: Trude Tvete und Kåre Haugan, Ingeniørfag kjemi, Høgskolen i Nord-Trøndelag, Steinkjer
WWW:
Høgskolen i Nord-Trøndelag
Pleuronectes platessa
Antibiotika und ihre Wirkung
Lesen Sie dazu im Scienceticker (alte Version):
Neuer Wirkstoff gegen Problemkeime
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