Posted in: Anthropologie, Psychologie 19. Juni 2006 21:09 Weiter lesen →

Mutterliebe dämpft Ekel

Beim Windelwechseln machen Eltern so einiges mit. Allerdings weniger, als Außenstehende denken, hat ein australischer Psychologe ermittelt. Mütter sind von den Hinterlassenschaften des eigenen Nachwuchses demnach weniger angewidert als von denen fremder Kinder.

„Ekel ist eine sehr starke Verhaltensanpassung, deren Vorteil in einem verringerten Infektionsrisiko liegt“, erläutern Trevor Case von der Macquarie University in Sydney und seine Kollegen. Allerdings müsse in manchen Situationen selbst der Ekel vor Kot abgeschwächt werden, etwa beim Pflegen naher Angehöriger.

Offenbar ist dieses evolutionäre Erfordernis im elterlichen Programm berücksichtigt, berichten die Forscher im Fachblatt „Evolution and Human Behavior“. Für ihre Versuche ließen sie 13 Mütter an vollen Windeln des eigenen und eines fremden Kindes riechen und die Intensität ihres Widerwillens angeben. Obwohl die Frauen nicht wussten, welche Windel von wem stammte, bewerteten sie den Stuhl des eigenen Kindes als weniger Übelkeit verursachend.

Möglicherweise hätten sich die Mütter schlicht an den Geruch ihrer Kinder gewöhnt, so Cases Kollegin Betty Repacholi von der University of Washington gegenüber dem Magazin „New Scientist“. Es sei jedoch denkbar, dass sie anhand des Geruchs den Verwandtschaftsgrad einschätzen könnten.

Forschung: Trevor I. Case und Richard J. Stevenson, Department of Psychology, Macquarie University, Sydney; Betty M. Repacholi, Department of Psychology, University of Washington, Seattle; Veröffentlichung Evolution and Human Behavior, DOI 10.1016/j.evolhumbehav.2006.03.003

WWW:
Homepage Trevor Case
Development of Disgust Survey
Windel
New Scientist

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