Posted in: Astronomie 30. Mai 2006 15:16 Weiter lesen →

Metallreiche Sterne, kernige Planeten

In den letzten 17 Jahren sind Belege für etwa 190 Planeten bei fernen Sternen entdeckt worden. Eine europäische Astronomengruppe nun einen rechnerischen Blick in das Innere dieser Exoplaneten geworfen. Wie die Forscher im Fachblatt „Astronomy & Astrophysics“ berichten, scheint der Aufbau der fernen Welten stark von der Zusammensetzung ihrer Zentralgestirne abzuhängen.

Schwere Elemente in Exoplaneten
Der Kern eines „Hot Jupiter“ dürfte umso größer sein, je höher die Metallizität seines Sterns ist.
Grafik: Astronomy & Astrophysics/CNRS

Besonders wichtig ist demnach der Gehalt des Sterns an Elementen jenseits des Helium, vermuten Tristan Guillot vom Observatoire de la Côte d’Azur in Nizza und Kollegen. Ihrer statistischen Analyse zufolge, birgt der Planet einen umso größeren Kern aus schweren Elementen und eine umso dünnere Hülle aus leichten Elementen, je höher die Metallizität seines Sterns ist. Als Resultat dürften Planeten bei sehr „metallreichen“ Sternen relativ dicht und klein und damit schwerer zu beobachten sein.

Guillot und Kollegen studierten die Eigenschaften der neun bis zum April 2006 bekannten Exoplaneten, die durch die Sichtlinie zwischen ihrem Stern und der Erde ziehen. Der resultierende Helligkeitsabfall des Sterns erlaubt eine Abschätzung des Planetenradius. Diesen Wert kombinierten die Astronomen mit weiteren Daten – unter anderem über die Massen von Planet und Stern sowie den Abstand beider – um den inneren Aufbau der Planeten zu modellieren.

Die betrachteten Exoplaneten besitzen bis zu 430 Erdmassen und rasen in geringem Abstand um ihr Zentralgestirn. Berücksichtige man die insgesamt spärliche Datenlage, bildeten diese neun „Hot Jupiters“ eine relativ homogene Gruppe, schreiben die Forscher. Dennoch ergäben sich deutliche Abweichungen der berechneten von den beobachteten Werten, die sich mit derzeitigen Modellen der Planetenentstehung nicht erklären ließen.

Forschung: Tristan Guillot, Observatoire de la Côte d’Azur, Nice; Nuno C. Santos, Centro de Astronomia e Astrofisica da Universidade Lisboa, Observatório Astronómico de Lisboa und Observatoire de Genève, Sauverny; und andere

Veröffentlichung Astronomy & Astrophysics, DOI 10.1051/0004-6361:20065476

WWW:
Observatoire de la Côte d’Azur
– Homepage Tristan Guillot
Extrasolar Planets Encyclopaedia
Wo kann es Zwillinge der Erde geben?

Lesen Sie dazu im Scienceticker (alte Version):
Fiebermessung bei Exoplanet
Kalter Vetter der Erde entdeckt

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