Guter Start für zungenfreundliche Aktien
30. Mai 2006 | Druckversion
Die Entwicklung einer Aktie hängt auch davon ab, wie gut sich ihr Name aussprechen lässt. Zu diesem Schluss kommen zwei amerikanische Psychologen im Fachblatt “Proceedings of the National Academy of Sciences”. Zumindest in den ersten Tagen nach dem Börsengang sind die Anleger solchen Aktien besonders gesonnen, die einen eingängigen, zungenfreundlichen Namen tragen.
Dieser Effekt erstreckt sich sogar auf das Tickerkürzel einer Aktie, haben Adam Alter und Daniel Oppenheimer von der Princeton University ermittelt. Nach Ansicht der Forscher werfen ihre Resultate ein neues Licht auf die Bemühungen, die Börse mit komplizierten mathematischen Modellen zu verstehen. “Berücksichtigt man, dass Menschen in einer Flut von Information nach einer schlichten Richtschnur greifen, kann eine verblüffend einfache Theorie das menschliche Verhalten gut vorhersagen.”
Alter und Oppenheimer ließen 16 Studenten bewerten, wie leicht ihnen die Namen von 89 an der New Yorker Börse gehandelten Aktien über die Zunge kamen. Dann verglichen sie die Börsenstarts dieser Aktien: Tatsächlich hatten jene mit besonders leicht auszusprechenden Namen am ersten Tag bzw. in der ersten Woche deutlich stärker zugelegt als jene mit eher schwierigen Namen.
Eine Investition in die zehn “leichtesten” Aktien hätte in dieser Zeit 11 bis 12 Prozentpunkte mehr Gewinn erbracht als eine Investition in die zehn “schwierigsten” Aktien, berechnen die Forscher. Einen ähnlichen Effekt fanden sie für Aktien mit besonders eingängigen Tickerkürzeln, allerdings galt der Sprachbonus in diesem Fall nur für den ersten Börsentag.
“Unsere Arbeit zeigt, dass die Leute selbst dann mentale Abkürzungen nehmen, wenn es um Geldanlagen geht und sie eigentlich besonders rational denken sollten”, erläutert Oppenheimer. Der Psychologe rät jedoch davon ab, das persönliche Portfolio nach sprachlichen Vorzügen auszurichten. An der Börse spielten weitere psychologische und ökonomische Faktoren ebenfalls eine Rolle.
Forschung: Adam L. Alter und Daniel M. Oppenheimer, Department of Psychology, Princeton University, Princeton, New Jersey
Veröffentlichung Proceedings of the National Academy of Sciences, DOI 10.1073/pnas.0601071103
WWW:
Random Walk Theory
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