Unterirdisch schlecht: Gewürzkraut hemmt Ahorn
Samstag, 27. Mai 2006, 14:55 • Rubrik Biologie.
Durch unterirdische Kriegsführung macht ein europäisches Gewürzkraut dem kanadischen Nationalsymbol zu schaffen. Das berichtet eine internationale Forschergruppe im Fachblatt “PLoS Biology”. Indem die unscheinbar wirkende Knoblauchsrauke giftige Substanzen absondert, hemmt sie die Entwicklung von Keimlingen des Ahorns und anderer Baumarten.

Fotos: André Künzelmann/UFZ
Dabei greifen die Giftstoffe die Schößlinge nicht direkt an, fanden Daniel Prati vom Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle und seine Kollegen. Vielmehr schädigen sie Bodenpilze, die normalerweise die Wurzeln der Jungbäume besiedeln und so ihre Versorgung mit Wasser und Mineralstoffen ankurbeln. Als Resultat wachsen die Keimlinge weniger gut an und können von anderen Arten verdrängt werden.
Die Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata), auch bekannt als Lauchhederich, war um 1860 als Gewürzpflanze aus Europa in die Neue Welt gebracht worden und breitete sich dort rasch aus. Ursprünglich habe man den Kreuzblütler in Halle unter die Lupe genommen, um Insektenbefall daran zu studieren, erläutert Prati. “Umso mehr waren wir überrascht, dabei auf einen neuen Mechanismus zu stoßen, der ein wichtiger Baustein in den komplizierten Verdrängungsprozessen der Natur sein könnte.”
Die Wurzeln vieler Bäume werden von Mykorrhiza-Pilzen in einen regelrechten Pelz aus Pilzfäden gehüllt, sodass ihre Oberfläche deutlich steigt. Eben dieser Prozess ist deutlich gehemmt, wenn zuvor die Knoblauchsrauke in dem Erdreich gewachsen ist, fanden die Forscher. In derart “kontaminiertem” Boden wuchsen Keimlinge von 16 Baumarten umso schlechter, je mehr sich die jeweilige Art auf die Mykorrhiza verließ. Am stärksten betroffen waren Rot- und Zuckerahorn, aber auch Weiße Maulbeere und Weißesche.
Forschung: Kristina A. Stinson, Harvard Forest, Harvard University, Petersham, Massachusetts; Daniel Prati, Department Biozönoseforschung, Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle, Halle; John N. Klironomos, Department of Integrative Biology, University of Guelph, Guelph, Ontario; und andere
Veröffentlicht in PLoS Biology, Vol. 4(5), DOI: 10.1371/journal.pbio.0040140
WWW:
Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle
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