Posted in: Biologie 25. Mai 2006 12:04 Weiter lesen →

Langusten isolieren kranke Artgenossen

Die Ausbreitung einer ansteckenden Krankheit kann gebremst werden, indem man die Infizierten isoliert. Diese Taktik beherrschen auch Langusten, berichten amerikanische Biologen im Magazin „Nature“. Die normalerweise sehr geselligen Krebse erkennen von einem Virus infizierte Artgenossen und meiden fortan den Kontakt mit ihnen.

Ein derartiges Verhalten sei niemals zuvor bei sozial lebenden Tieren beobachtet worden, schreiben die Forscher um Mark Butler von der Old Dominion University in Norfolk, Virginia. Die neuen Resultate könnten jedoch erklären, warum im Meer stets nur etwa 7 Prozent der Tiere infiziert seien, während Laborpopulationen binnen Wochen von dem Virus dezimiert würden.

Butler und Kollegen beobachteten die erstaunliche Verhaltensveränderung bei Karibiklangusten (Panulirus argus). Die bis zu 60 Zentimeter langen Tiere ziehen es normalerweise vor, gemeinsam mit Artgenossen eine Höhle im Riff zu bewohnen. Lediglich mit dem PaV1-Virus infizierte Individuen sitzen meist allein ihrem Bau, stellten die Forscher bei ihren Tauchgängen fest. Laborversuche bestätigten die Vermutung, dass solche Tiere von ihren Artgenossen nach Möglichkeit gemieden werden.

Bei den Versuchen gaben kaum 40 Prozent der nicht-infizierten Langusten einer leeren Höhle den Vorzug vor einer Höhle, in der ein gesunder Artgenosse hockte. Wartete in einer Höhle dagegen ein infiziertes Tier, wählten fast 90 Prozent die leere Höhle. Dabei erkannten sie eine Infektion bereits vier Wochen nach der Ansteckung, noch bevor für menschliche Beobachter erkennbare Symptome auftraten. Butler und Kollegen vermuten daher, dass erkrankte Tiere sich durch die Abgabe chemischer Verbindungen ins Wasser verraten.

Forschung: Donald C. Behringer und Mark J. Butler, Department of Biological Sciences, Old Dominion University, Norfolk, Virginia, und Jeffery D. Shields, Virginia Institute of Marine Science, Gloucester Point

Veröffentlichung Nature, Vol. 441, 25. Mai 2006, p 421, DOI 10.1038/441421

WWW:
Homepage Mark Butler
Panulirus argus
Sozialverhalten im Riff

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