Pottwale jagen wie Fledermäuse
Dienstag, 23. Mai 2006, 20:18 • Rubrik Biologie.
Ein tonnenschwerer Wal und eine federleichte Fledermaus scheinen auf den ersten Blick wenig gemein zu haben. Tatsächlich wenden beide Tiergruppen die gleiche Jagdtechnik an, hat eine amerikanisch-britische Forschergruppe ermittelt. Beim Anlauf auf eine Beute senden die Jäger in immer rascherer Folge Ortungslaute aus, bis diese kurz vor dem Zuschlagen zu einem Summen verschmelzen.
Damit komme endlich Licht in die tiefen Tauchgänge der Pottwale, erläutert Stephanie Watwood von der Woods Hole Oceanographic Institution. “Bislang war kaum etwas über ihr Verhalten unter der Wasseroberfläche bekannt, sodass es reichlich Spekulationen darüber gab, wie Pottwale ihre Beute finden.” Beispielsweise sei vermutet worden, Pottwale könnten große Tintenfische, ihre bevorzugte Beute, in der lichtlosen Tiefsee regelrecht zu sich locken.
Tatsächlich scheinen sich die bis zu 18 Meter und 50 Tonnen schweren Wale allein auf ihr Sonarsystem zu verlassen, ermittelten die Biologin und ihre Kollegen. Für ihre Untersuchungen hefteten sie 37 Pottwalen im Ligurischen Meer, im Atlantik und im Golf von Mexiko per Saugnapf kleine Tonrekorder an den Leib und konnten so verfolgen, welche Laute die Tiere bei ihren teils über 1.000 Meter tiefen Tauchgängen produzierten.
Nach dem Abtauchen gaben die Wale zunächst einzelne Klicks von sich, berichten Watwood und Kollegen im “Journal of Animal Ecology”. Erst ab einer Tiefe von durchschnittlich 392 Metern trat mitunter eine Art Summen auf, wie es auch Fledermäuse bei der Annäherung an ein Beutetier produzieren. Pro Tauchgang gaben die Wale im Schnitt 18 solcher “Final Buzzes” von sich. Dabei hielten sie Länge eines Tauchgangs relativ konstant bei etwa 45 Minuten, indem sie je nach Meerestiefe unterschiedlich rasch abtauchten.
Forschung: Stephanie L. Watwood, Department of Biology, Woods Hole Oceanographic Institution, Woods Hole, Massachusetts; Patrick J.O. Miller, NERC Sea Mammal Research Unit, School of Biology, University of St. Andrews, St. Andrews; und andere
Veröffentlichung Journal of Animal Ecology, Vol. 75(3), pp 814-25, DOI 10.1111/j.1365-2656.2006.01101.x
WWW:
Woods Hole Oceanographic Institution
Sea Mammal Research Unit, University of St. Andrews
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