Blei bewirkt langfristige Gehirnveränderungen
Dienstag, 23. Mai 2006, 13:01 • Rubrik Medizin.
Blei wirkt sich auch Jahre nach der letzten Exposition auf das Gehirn aus. Das bestätigt eine Untersuchung, die amerikanische Wissenschaftler im Fachblatt “Neurology” präsentieren. Bei ihren Versuchsteilnehmern stellten sie umso häufiger und umso stärkere Verluste an Hirnsubstanz fest, je mehr Blei diese in ihren Knochen trugen.
“Der Effekt der Bleiexposition war vergleichbar mit dem von fünf zusätzlichen Lebensjahren”, erklärt Walter Stewart von der Johns Hopkins University in Baltimore. Für ihre Studie untersuchten der Mediziner und seine Kollegen 532 Personen, die bei der Arbeit in einem Chemiewerk durchschnittlich acht Jahre lang organischen Bleiverbindungen ausgesetzt gewesen waren – zuletzt allerdings vor durchschnittlich 18 Jahren.
Per Röntgenfluoreszenz ermittelten die Forscher, wie viel Blei die Teilnehmer in ihren Schienbeinknochen trugen. Kernspintomographische Aufnahmen offenbarten Läsionen in der weißen Gehirnsubstanz bei gut einem Drittel der Teilnehmer. Jene Teilnehmer mit den höchsten Bleikonzentrationen wiesen doppelt so häufig derartige Läsionen auf als jene mit den niedrigsten Konzentrationen. Zudem wiesen sie in einigen Hirnregionen weniger graue bzw. weiße Substanz auf. Letztlich war ihr Gehirnvolumen im Schnitt 1,1 Prozent geringer.
Laut Stewart stehen diese Resultate im Einklang mit denen einer früheren Studie, der zufolge die berufliche Bleiexposition mit einem gestörten Denk- und Erinnerungsvermögen einhergeht. “Diese Effekte gehen auf dauerhafte Veränderungen in der Struktur des Gehirns zurück”, so der Forscher, “und nicht auf kurzfristige Veränderungen in der Neurochemie.”
Forschung: Walter F. Stewart und Brian S. Schwartz, Center for Health Research and Rural Advocacy, Geisinger Clinic, Danvil, Pennsylvania, und Departments of Environmental Health Sciences und Epidemiology, Johns Hopkins School of Public Health, Baltimore, Maryland; und andere
Veröffentlicht in Neurology, Vol. 66, pp 1476-84
WWW:
Johns Hopkins School of Public Health
Blei
Toxizität von Blei
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